SCHATZKAMMER SCHLOSS LICHTENWALDE
MYTHOS OSTASIEN
KOSTBARKEITEN AUS CHINA UND JAPAN
(Die Sammlung Georg Brühl)


RAUM 12
Drache und Phönix

Im Verlauf seiner mehrtausendjährigen Geschichte war China nicht immer ein einheitliches Staatengebilde, sondern entwickelte sich erst über einen langen Zeitraum zu dem Großreich, welches aus Sicht der herrschenden Kaiser den Mittelpunkt der Welt verkörperte. Die Macht der Götter wurde mit der des Kaisers gleichgesetzt, den man als ‘Sohn des Himmels’ verehrte. Im 3. Jahrhundert v.u.Z. gelang zum ersten Mal eine Einigung des Reiches unter Qin Shi Huangdi, dem ersten Kaiser von China. Populär ist er heute durch seine tönerne Armee, die man bei Grabungen in den 1970er Jahren entdeckte, aber auch durch den Bau der Großen Chinesischen Mauer.
Als erste europäische Reisende – unter ihnen Marco Polo aus Venedig – im 13. Jahrhundert das Reich der Mitte erreichten, tat man in Europa ihre Berichte als Märchen oder Übertreibungen ab.
Noch lange Zeit nach diesen ersten Begegnungen zwischen Europa und China war das weiter im Osten gelegene japanische Inselreich den Europäern faktisch unbekannt geblieben. Auf keiner Landkarte konnte man Japan entdecken; nur in mythischen Erzählungen spielte es eine Rolle. Erst im 16. Jahrhundert landeten Portugiesen mit ihren Schiffen vor der japanischen Küste und betraten den Boden eines Reiches, das niemals von fremden Militär-mächten – nicht einmal von China – erobert worden war. Auch in Japan residierte ein Kaiser, dessen Macht allerdings – ganz im Gegensatz zu seinem chinesischen Gegenüber – seit dem 12. Jahrhundert zunehmend durch adlige Familien in den Provinzen beschnitten wur-de. So herrschte in Japan eine Kriegerkaste, deren Mitglieder man „Samurai“ nannte. Beiden Kaiserhäusern gemeinsam waren die sagenhaften Symboltiere Drache und Phönix, die gewissermaßen Kaiser und Kaiserin verkörperten.
Dieser erste Raum der Ausstellung präsentiert vor allem Kostbarkeiten aus Jade, Keramik und Bronze, die weit in die lange Geschichte Ostasiens zurück blicken lassen.





RAUM 13
Lackkunst in Ostasien

Neben dem Porzellan aus China hat vor allem der kostbare ostasiatische Lack eine ungeheure Faszination auf die Menschen in Europa auszuüben vermocht. Während das Geheimnis der Porzellanherstellung ängstlich gehütet und niemals verraten wurde, brauchte man bei der Lackkunst keine großen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Den einzigartigen Rohstoff für die ebenso einzigartigen Lacktechniken gab es nur in Ostasien. Der aus den ursprünglich wild wachsenden Lackbäumen durch Anritzen gewonnene Urushilack – ein zähflüssiger grauweißer Saft – erhärtet bei hoher Luftfeuchtigkeit (70 bis 80 %) und tropischen Temperaturen. Um allzeit genügend Lack verfügbar zu haben, ordneten die Herrscher Ostasiens eine gezielte Pflanzung von Lackbäumen an. Alle Versuche, den Rohlack nach Europa zu transportieren, schlugen fehl, denn die lange Reisezeit und die feuchte Luft auf dem Meer führten zur vorzeitigen Trocknung. Die Einbürgerung des Lackbaumes in europäischen Ländern scheiterte an klimatischen Widrigkeiten. So verblieben die Techniken des Lackierens in Ostasien, von wo man die heiß begehrten, fertigen Produkte seit dem 16. Jahrhundert nach Europa verschiffte. China ist das Ursprungsland der Lackkunst, die sich aber bald auch nach Korea und Japan auszubreiten begann. Japan gelang es rasch, sein Vorbild China in künstlerischer und technischer Hinsicht zu überholen.
Empfindliche Menschen neigen bei Kontakt mit dem flüssigen Lack zu Atemnot, Hautreizungen, Schweißausbrüchen und Allergien, weshalb die Verarbeitung nicht einfach ist. An der Luft tritt relativ schnell eine Verfärbung des giftigen Saftes ins Bräunliche ein. Mit diversen Metallstäuben (vor allem Gold) und fünf verschiedenen Pigmenten lässt sich der Lack einfärben, wobei sich die Palette auf Schwarz, Rot, Grün, Gelb und Braun beschränkt. Der Lack zeichnet sich durch Brillanz, Härte, Hitzebeständigkeit und Feuchtigkeitsresistenz aus, aber auch durch Unempfindlichkeit gegenüber Säuren, Laugen, Alkohol, Salz oder siedendem Wasser.



RAUM 14
Feuer und Erde

Die Keramik mit ihren vielfältigen Erscheinungsbildern gehört zu den ältesten Kulturäußerungen der Menschheit. In China und Japan lässt sie sich bis in die Steinzeit durch entsprechende Funde zurück verfolgen. Vor allem die Keramiken der japanischen Jomon-Kultur gelten heute als früheste künstlerisch gestaltete Objekte aus Ton.
Waren es anfänglich bei niedriger Temperatur gebrannte Terrakotten, konnte man seit der Shang-Dynastie (ca. 1600–ca. 1100 v.u.Z.) auch das harte Steinzeug in China herstellen, aus dem sich durch weitere Erhöhung der Brenntemperatur das Porzellan entwickelte.
Die Massezusammensetzung, der Brennvorgang und die Oberflächenbehandlung sind wichtige Einflussfaktoren auf das jeweilige Endergebnis. Keramiken konnten gänzlich unbemalt sein, mit Kaltbemalung versehen oder mit Glasuren überzogen werden. Unverwechselbar sind landschaftstypische Rohstoffe, so etwa die rote Tonerde aus der Region Yixing in China. Produkte aus Yixing dienten Johann Friedrich Böttger (1682–1719) in Meißen als Vorbild bei der Schaffung erster Objekte aus ‘Böttgersteinzeug’.
Die Lichtenwalder Sammlung beinhaltet Objekte aus verschiedenen Epochen, die schlaglichtartig einen Einblick in verschiedene Techniken und künstlerische Ausdrucksweisen ostasiatischer Keramik zu geben vermögen. Ihre Beispiele reichen von der chinesischen Zhou-Dynastie (ca. 1100 – 221 v.u.Z.) bis zur Regierungszeit des Kaisers Meiji, als Japan zum künstlerischen Vorbild für Europa aufgestiegen war. Dabei wird deutlich, welche ungeheure Bandbreite in diesem Genre zu erwarten ist. Gefäße für kultische Handlungen, für die Vorratswirtschaft oder für die Teezeremonie stehen neben Baukeramiken wie Dachziegeln und Wächterfiguren oder Grabbeigaben für das Leben im Jenseits. Aus hunderten Objekten der Schenkung Brühl wurde für das „Keramikzimmer“ eine Auswahl getroffen.


















RAUM 15
Kostbar und exotisch

Die Bereits für die Shang-Dynastie (ca. 1600–ca. 1100 v.u.Z.) ist ein ausgeprägtes Handwerk der Elfenbeinverarbeitung in China nachweisbar, aber auch in den nachfolgenden Jahrtausenden riss das Interesse an diesem Genre nie ab.
Figuren, Fächer, Schachfiguren und Netsuke sind die bevorzugten Objekte, die aus dem kostbaren Elfenbein für eine führende Oberschicht geschaffen wurden. Eine besondere Meisterschaft erlangten die Chinesen in der Herstellung von komplizierten Kugelwerken, bei denen mehrere durchbrochen geschnitzte Kugeln ineinander lagen. Diese Spezialität fand Eingang in zahlreiche Kunstkammern Europas.
Das häufiger verarbeitete Knochenbein stammte vorwiegend vom asiatischen Wasserbüffel. Dessen Knochen wurden nicht im Sinne eines Ersatzmaterials an Stelle von Elfenbein verwendet, sondern parallel zu ihm, denn es hat eine andere Farbe und Textur und damit einen eigenen Ausdruckswert. Vom Wasserbüffel lässt sich auch das Horn nutzen, das im Gegensatz zu Elfenbein und Knochen anderer Natur ist – es besteht nämlich aus Hautzellen. Gern beschnitzte man Horn oder verwendete es in dünne Platten geschnitten, die man polierte und farbig unterlegen konnte.
Auch Schildpatt fand großes Interesse bei den Kunsthandwerkern Chinas und Japans. Verwendet wurde das Schildpatt aus dem Panzer der echten Karettschildkröte. Die einzelnen Platten wurden mit heißem Wasser geschmeidig gemacht und zu geraden Flächen gepresst. Diese konnten in geglättetem und poliertem Zustand für Einlegearbeiten verwendet werden. Bei hoher Temperatur ließ sich das Schildpatt auch in Formen drücken.
Perlmutt schließlich, gewonnen aus den Gehäusen von Meeresmuscheln, fand in beschnitzter Form Verwendung bei Einlegearbeiten oder es wurde – zu winzigen Schnipseln geschnitten – Bestandteil von Lackarbeiten.



Guanyin

Büffelhorn, geschnitzt
China, Qing-Dynastie (1644–1911),
18. Jahrhundert
H 23 cm


Kästchen für Räucherwerk
(kodansu)

Holz, Schildpatt, Goldlack (hiramaki-e und takamaki-e), Beschläge aus versilbertem Messing
Japan, Meiji-Zeit (1868–1912)
H 15 x B 18,2 x
T 13 cm







RAUM 16
Weiße Erde vom Gaoling

Die Chinesen unterscheiden nicht zwischen Keramik und Porzellan, auch gibt es kein spezielles Wort für Porzellan in der chinesischen Sprache.
Es ist vor allem die Brenntemperatur, die das Endprodukt bestimmt. Porzellan entstand in den chinesischen Brennöfen ab ca. 1300 bis 1400 Grad Celsius. Manche Steinzeuge sind aber auch schon sehr hart und weiß, so dass der Übergang zum Porzellan fließend ist. Hauptbestandteile des Porzellans sind Kaolin (nach dem chinesischen Berg Gaoling benannt) und Feldspat. Man ist der Auffassung, dass erstes ‘echtes’ Porzellan in China während der Song-Dynastie (960–1279) gefertigt wurde.
Weißes Porzellan aus China wird oft mit den Manufakturen in Dehua in Verbindung gebracht, die seit dem Ende der Ming-Dynastie arbeiteten. Nahe am Exporthafen Kanton gelegen, entwickelte sich hier eine rege Produktion weißen, undekorierten Porzellans. Eine andere Besonderheit waren die in der Kangxi-Ära aufgekommenen Porzellane mit monochromer Glasur. Zu ihnen zählte das kräftige Kanariengelb, das Schlangen- oder Eidechsenhautgrün und das Ochsenblutrot. In Kombination mit einfachen Formen wirken diese Porzellane unglaublich modern. Am bekanntesten sind jedoch die bemalten Blau-Weiß-Porzellane, die geradezu als Synonym für die chinesische Porzellanproduktion gelten dürfen.
Auf den Inseln des japanischen Kaiserreiches gelang einem koreanischen Töpfer erstmals 1616 die Herstellung von Porzellan, nachdem er in der Gegend von Arita Kaolinfunde gemacht hatte. Der später dort entwickelte prächtige Brokatstil dieser Porzellane wirkte umgekehrt sogar nach China zurück. Wie zahlreiche während der Sanierung 2007–2009 gefundene Scherben im Schlossumfeld beweisen, zählten bis 1945 auch japanische Arita-Porzellane zur Schlossausstattung in Lichtenwalde. In Europa kam es 1708 durch den ‘Goldmacher’ Johann Friedrich Böttger in Meißen zur Nacherfindung des Porzellans. Die ersten Meißner Porzellane orientierten sich stark an ihren Vorbildern aus China und Japan.


Vase mit Pfirsich-Motiv

Porzellan mit „kaisergelbem“ Fond
China, Qing-Dynastie (1644–1911),
Kangxi-Ära (1662–1722)
H 41 cm









RAUM 17
Möbelkunst

Lange Zeit saß man in China und Japan auf dem mit Reisstrohmatten bedeckten Boden, bis im Reich der Mitte etwa vor tausend Jahren auch der Stuhl Einzug hielt. Anders in Japan – hier blieben bis zum Ende der Edo-Zeit (1868) Stühle relativ unbekannt. Wo es keine Stühle gibt, fallen die Tische naturgemäß mit sehr kurzen Beinen aus.
Während der Ming-Dynastie (1368–1644) entwickelten die Chinesen ein Repertoire an Behältnis-, Sitz- und Tischmöbeln, die mit ihren unglaublich schlichten und dabei eleganten Formen dem heutigen Betrachter äußerst modern erscheinen. Kleine Tische und ähnliche Ziermöbel nahmen einen wichtigen Platz ein, denn die Fülle an Ziergegenständen wie Vasen und Skulpturen benötigte entsprechende Präsentationsmöglichkeiten. China ist die Geburtsstätte filigraner, übereinander stellbarer oder ineinander schiebbarer Tische. Auch der Paravent bzw. Stellschirm dürfte hier erfunden worden sein. Neben den zahlreichen kostbaren Holzsorten, etwa Huanghuali (eine Rosenholzart), Hongmu (eine Mahagoniart), Jichimu (Hühnerflügel-holz), Tielimu (Eisenholz) oder Zitan (indisches Sandelholz) wurden chinesische Möbel vielfach aus Bambus gefertigt.
Anders als in China, wo man den Schrank und auch die Truhe bereits frühzeitig in mannigfaltigen Formen kannte, existierten in japanischen Häusern wenige solche Möbel. Hier bildete oft eine Mauernische den Schrank, die man mit einer Schiebetür verschloss. Und man nutzte tragbare (aus sehr leichtem Holz gefertigte) Behältnisse mit vielen Schubfächern, die unseren Kommoden ähnelten. Jedoch besaßen sie keine Beine, sondern hatten ein kastenartiges Aussehen. Typisch für das japanische Haus waren viele kleine Kästchen, in denen man Toilettenutensilien oder Schreibzeug aufbewahrte.
Das japanische Holzhandwerk ist berühmt für seine leimlosen Holzverbindungen. Viele Möbel lassen sich mittels Zapfen einfach zusammenstecken, weshalb sie bei Klimaschwankungen ‘arbeiten’ können.









RAUM 18
Die vier Kostbarkeiten

Tusche, Pinsel, Tuschereibstein und Papier wurden in China als die „vier Kostbarkeiten des Studierzimmers“ bezeichnet. Literaten und Maler nutzten sie für ihre künstlerische Arbeit. Dichtkunst, Kalligraphie und Malerei sind die Hauptkünste, wobei unter Malerei nicht die im Westen bekannte Ölmalerei verstanden wird, sondern die mit chinesischer Tusche ausgeführte. Seit der Han-Dynastie (206 v.u.Z.–220 u.Z.) kannte man die noch heute hergestellte Tusche aus Ruß, während davor Graphit Verwendung fand. Der Ruß wurde anfänglich beim Verbrennen von Kiefernholz gewonnen, später beim Verbrennen von Lampenöl. Mit Hilfe wasserlöslichen Leims ließ sich der Ruß zu einer Masse binden, die in fein reliefierte Model gepresst wurde. Die Tuschestückchen stellten sammelwürdige Kleinode dar und waren mit Gedichten oder symbolträchtigen Bildern geschmückt. Zahlreiche namhafte Tuschehersteller sind bekannt. Einigen von ihnen war das Privileg vergönnt, direkt für den chinesischen Kaiser produzieren zu dürfen.
Mit Hilfe eines kunstvoll gestalteten Reibsteins und einiger Tropfen Wasser bereitete man die flüssige Tusche zu. Kleine Wassertropfer ermöglichten das Dosieren winziger Mengen Flüssigkeit. Unterschiedlich geformte Pinsel, die in aufwändig beschnitzen Gefäßen aufbewahrt wurden, dienten als Schreib- und Malwerkzeuge. Nicht selten gehörte ein kleiner Tischparavent zur Ausstattung. Reibsteine wurden nicht nur zum Reiben der Tusche benutzt, sondern erfreuten den Kunstfreund auch durch ästhetische Qualitäten.
Die meisten Tuschebilder entstanden als Quer- oder Hängerolle und man rollte sie nur zur Betrachtung aus. Typisch war ihre Kennzeichnung mit Siegelabdrücken, die vom Künstler stammten. Manchmal hinterließ auch der Sammler seine Siegelspur.
Ein besonders großes Beispiel von Tuschemalerei stellt der Lichtenwalder Papierparavent dar. Inmitten einer Landschaft zeigt er einen Gelehrten am Tisch sitzend, der gerade zum Schreiben oder Malen mit dem Tuschepinsel ansetzt.

























RAUM 19
Bilder in und auf Seide

5 000 Jahre soll es her sein, dass in China die Seide erfunden wurde. Die Legende berichtet vom mythischen Urkaiser Fu Xi, der als Erster auf die Idee gekommen war, die Fäden der Seidenraupe zur Fertigung von Textilien zu nutzen.
Lange blieb die Herstellung von Seide ein großes Geheimnis, denn durch Androhung der Todesstrafe für potentielle Verräter der Erfindung gelang es, die Technologie dem Reich der Mitte über Jahrhunderte zu bewahren. Erst im Jahr 555 schmuggelten zwei persische Mönche Seidenraupeneier nach Konstantinopel, wodurch das Monopol der Chinesen gebrochen wurde.
Mit Seidenfäden wurden Stoffe gewebt, aber auch bestickt. Chinas Stickerinnen sind berühmt für ihre unglaublich feinen und präzisen Bilder aus Seide, die anfänglich vor allem zur Verzierung von Gewändern dienten, sich später aber zu einer eigenen Bildgattung entwickelten. Seidenstoff fungierte bis zur Erfindung des Papiers in China im 1. Jahrhundert u.Z. als alleiniger Träger von Tuschemalereien.
Leider gehören Kunstwerke aus Textil zu den fragilsten und im Licht schnell alternden Ausstellungsstücken, weshalb nur wenige von ihnen dauernd gezeigt werden können.






RAUM 20
Japanische Farbholzschnitte

Die Technik des Holzschnitts wurde vor langer Zeit in China erfunden, bevor sie im 5. Jahrhundert nach Japan gelangte.
Waren die früheren Holzschnitte noch einfarbig bzw. von Hand koloriert, verfeinerte man im 18. Jahrhundert die Technik zum Mehrfarbendruck. Für jede Farbe wurde ein extra Druckstock gefertigt, was eine enorme Passgenauigkeit erforderlich machte. Wichtig war die Qualität der Papiere, die aus der Rinde des Maulbeerbaumes hergestellt wurden. Fein zerstampft und mit Leim sowie Pflanzenextrakten versetzt, bildete diese Rinde gewissermaßen das Fundament für die weltweit bestaunte Kunst japanischer Drucker.
Der Künstler entwarf das Motiv, der Holzschneider schnitt es mit größter Genauigkeit in Platten aus Kirschbaum- oder Birnbaumholz und der Drucker realisierte das Blatt. Bis zu 200 Abzüge ließen sich von einem Druckstock herstellen, wobei jedes Blatt ein wenig vom anderen abwich und somit trotz größerer Auflage Unikatcharakter trug.
Die Themenwelt hatte sich bald von religiösen zu weltlichen und auch zu erotischen Inhalten gewandelt. Das bereits aus der Malerei bekannte Genre des „ukiyo-e” (d.h. der „flüchtigen Welt“) schlug sich nun auch im japanischen Farbholzschnitt nieder. Die Porträts bekannter Schauspieler des Kabuki-Theaters, Sumo-Ringer und Kurtisanen, aber auch Straßenszenen und Landschaften bildeten die beliebtesten Motive der für ein breites Publikum gedachten Bilder.





RAUM 21
Metallkunst in Ostasien

Mit ostasiatischer Metallkunst assoziiert man vor allem die legendären Samuraischwerter aus Japan. Aber das Metallhandwerk hat eine viel größere Bandbreite von Techniken und künstlerischen Ausdrucksformen hervorgebracht, als allgemein vermutet wird.
Freilich nehmen die Arbeiten japanischer Schwertschmiede eine heraus gehobene Stellung ein, wobei nicht nur die Klingen unsere Aufmerksamkeit erregen, sondern ebenso die unglaublichen Leistungen auf dem Gebiet des Tauschierens, d.h. des Einlegens von Gold, Silber, Kupfer und Messing in einen Untergrund aus Bronze, Kupfer oder Eisen. Auch auf dem Gebiet des Metallfärbens erlangten die japanischen Meister ein großes Können. Beeindruckend demonstrieren sie ihre technischen Finessen an den Schwertstichblättern der Samuraischwerter, im Japanischen „Tsuba“ genannt.
Die perfekte Beherrschung des Bronzegusses lässt sich in China tausende Jahre zurück verfolgen. Im Entré der Ostasien-Abteilung sind dazu kostbare Beispiele zu sehen (Abb. S. 67). Aber auch in späterer Zeit lebte diese Technologie weiter fort. Im Japan der Meiji-Zeit (1868–1912) feierten viele historische Metalltechniken, darunter der Bronzeguss, einen ungeahnten Aufschwung. Alte Formen wurden kopiert oder neu interpretiert. Die dunkle Farbe vieler Bronzen sollte dabei den historischen Bezug unterstreichen.
Eine besondere Stellung in der ostasiatischen Metallkunst nimmt die „Cloisonné“-Technik ein. Die farbintensiven Arbeiten haben ihr Vorbild ausnahmsweise in Europa, denn es handelt sich um eine Erfindung aus Byzanz. Im 14. Jahrhundert nahmen die Chinesen erstmals Notiz von dieser Spezialität. Unzählige kleine Stege aus Kupferblech werden auf die zu verzierende Fläche aufgelötet und die dabei entstehenden kleinen Felder anschließend mit Emaille-Pulver in leuchtenden Farben gefüllt. Durch Erhitzen auf 700 bis 800 Grad Celsius schmilzt das Pulver und verläuft zu einer glasigen Masse, die nach dem Erkalten geschliffen und poliert wird.







RAUM 22
Hart und weich

Unterschiedlicher können zwei Steine nicht sein: Jade ist sehr hart und dabei von ausgesprochen zäher und fasriger Struktur. Nur mit speziellen Werkzeugen, die mit Diamantstaub besetzt waren, konnten die Künstler im alten China das Mineral bearbeiten. Speckstein hingegen ist sehr weich und lässt sich mit scharfen Stahlklingen beinahe wie Holz schnitzen.
Von den Chinesen „yu“ (Stein des Himmels) genannt, besaß Jade einen großen Stellenwert in der Gesellschaft. Schon 5000 Jahre vor Christus fand der Stein im Begräbniskult Verwendung. Nach Auffassung der damaligen Menschen verhinderte Jade das Verwesen des Leichnams und garantierte damit die Unversehrtheit der Seele. An bestimmten Stellen auf, unter und neben dem toten Körper wurden deshalb Jadeobjekte platziert. Selbst ganze Gewänder aus kleinen, miteinander verbundenen Jadeplättchen konnten in Gräbern gefunden werden. In späterer Zeit reduzierte sich die Bedeutung der Jade auf ihre Ästhetik und die zugeschriebene Fähigkeit als Glücksbringer. Jade, die man von auswärtigen Fundstellen nach China bringen musste, kommt in verschiedenen Farben vor – von denen das sprichwörtliche „Jadegrün“ die bekannteste ist.
Obwohl Speckstein, der von den Mineralogen Steatit genannt wird, viel niedriger in der Bewertungsskala stand, wurden vor allem seit der Ming-Dynastie plastische Kleinkunstwerke aus ihm geschnitten. Speckstein tritt in verschiedenen Farben auf und lässt sich trotz seiner Weichheit sehr schön polieren. Im 17. und 18. Jahrhundert brachte man Specksteinobjekten aus China große Wertschätzung seitens der kunstliebenden europäischen Fürsten entgegen und so schmückten sie manches „Chinesische Zimmer“. Der sächsische Kurfürst August der Starke besaß eine der umfangreichsten Sammlungen chinesischen Specksteins und plante die Errichtung eines eigenen Speckstein-Zimmers in seinem Japanischen Palais in Dresden. Dazu ist es allerdings nie gekommen. Wie zahlreiche Beispiele der Lichtenwalder Kollektion belegen, erfreute sich die Specksteinschnitzerei auch noch im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit.







RAUM 23
Der Figurengang

Der ungeheure Reichtum an mythischen, transzendenten oder realen Gestalten, die Chinas und Japans Religionen und die Geschichte dieser Länder bevölkern, fand seinen Niederschlag in zahllosen figuralen Darstellungen aus Stein, Holz und Metall. Je nach dem, ob es in abtragender Weise (schnitzen, bildhauern) oder in aufbauender Weise (modellieren, gießen) geschah, handelt es sich um Skulpturen oder Plastiken.
Die Ostasiatica-Sammlung auf Schloss Lichtenwalde umfasst eine Vielzahl solcher Objekte, darunter buddhistische Kultfiguren und daoistische Darstellungen. Sie geben einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt des Buddhismus und der chinesischen Philosophen, wobei der europäische Betrachter mangels tieferer Kenntnisse der Materie meist nur eingeschränkt Zugang hat. Wo es nicht gelingt, den Gesamthintergrund zu erfassen, erfreuen die gezeigten Objekte vor allem durch ihren künstlerischen Aspekt und die sichtbare Beherrschung der handwerklichen Prozesse.
Eine Besonderheit stellen buddhistische Kultfiguren insofern dar, als sie erst durch eine zeremonielle Weihe wirksam gemacht wurden. Während dieses Rituals füllte man sie mit Weihegaben, so etwa mit Mantras auf Papierröllchen oder kleinen, spirituell wirksamen Figürchen. Bei metallenen Figuren erfolgte die Füllung meist im hohlen Sockel und bei hölzernen in einem Hohlraum am Rücken, der mit einem Holzstück sorgfältig verschlossen ist. Fast immer wurden die später nach Europa gelangten Figuren aufgebrochen und deren Inhalt geplündert oder aus Unverständnis ausgeleert.
Von manchen ostasiatischen Figuren aus Stein, vor allem Buddha-Darstellungen, blieb nur der Kopf erhalten. Vielfach zerstörte man solche Figuren, und lediglich das Haupt überlebte die Zeit, zumal der Transport einer kompletten Steinfigur aufgrund des Gewichts meist Probleme bereitete.
Eine Kuriosität stellen die unter Verwendung von Wurzelholz gefertigten Skulpturen dar, die der gelebten Naturnähe daoistischer Gelehrter entsprachen.
   

   
   
       
           
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