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KUNSTKAMMERMÖBEL DES 17. JAHRHUNDERTS

Seit vielen Jahren werden bei uns Kunstkammermöbel restauriert, wobei die Spannbreite vom kleinen Kästchen bis zum größeren Kabinettschrank reicht. Kunstkammern spiegelten mit ihrer Objektvielfalt das Universum im Kleinen wider und waren sichtbarer Ausdruck von Weltoffenheit und Gelehrsamkeit ihrer Besitzer. Es liegt in der Natur der Sache, dass Kunstkammerobjekte oft aus sehr verschiedenen Werkstoffen bestehen. So wurden an dem rechts gezeigten Kabinett aus dem Grünen Gewölbe nicht nur ausländische Hölzer, sondern auch Schildpatt, Bergkristall, Solnhofer Stein, Elfenbein und diverse böhmische Schmucksteine verwendet. Alle diese Materialen haben ein unterschiedliches Alterungsverhalten, was es bei der Restaurierung zu beachten und zu verstehen gilt.

Das mittlere Kabinett aus Neapel spielt mit dem harten Kontrast des schwarzen Ebenholzes und des hellen Elfenbeins. Unfachmännische Eingriffe im Kunsthandel führten u.a. zum Zersägen der markanten Schreibklappe, so dass zwei separate Türflügel entstanden. Die Rückführung in den ursprünglichen Zustand war erklärtes Ziel der Auftraggeber. Daneben galt es zahlreiche Fehlstellen zu schließen, wozu subfossiles Mammutelfenbein aus Sibirien benutzt wurde.

Extrem beschädigt war die unten gezeigte Tischplatte aus dem Chemnitzer Schloßbergmuseum. Wasser- und Klimaschäden hat zum Verlust vieler Elfenbeinteile und zum Lockern des gesamten Gefüges geführt. Während der Restaurierung konnte ein Augsburger Beschau-Stempel gefunden werden, der die Entstehungszeit der Tischplatte auf die Jahre 1625 bis 1630 eingrenzt.

   


oben: Kabinettschrank mit Pietra-Dura-Platten aus der kaiserlichen Hofwerkstatt der Gebrüder Castrucci, Prag um 1600, restauriert für das Grüne Gewölbe Dresden

mittig: Kabinettschrank mit gravierten Elfenbeintafeln, Neapel um 1610, restauriert für das
Städtische Museum Schloß Rheyd, Mönchengladbach

links: Kunstkammertischplatte (Detail) Werkstatt des Augsburger Meisters Ulrich Baumgärtner zugeschrieben, Augsburg um 1625-1630, restauriert für das
Schloßbergmuseum Chemnitz.

   
   
       
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