SCHATZKAMMER SCHLOSS LICHTENWALDE
DIE HISTORISCHEN REPRÄSENTATIONS-
UND WOHNRÄUME


RAUM 1
Auftakt in Blau-Weiss

Beim Wiederaufbau des brandzerstörten Barockschlosses Lichtenwalde schuf der Dresdner Hofbaurat Gustav Frölich im Auftrag des damaligen Eigentümers Otto Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt drei mondäne Repräsentationsräume im ersten Stockwerk, die den geretteten Kunstwerken der Grafenfamilie einen neuen, würdigen Hintergrund boten. Diesen Räumen vorgelagert ist ein Flurbereich, der bis 1945 identitätsstiftende Stücke aus familiengeschichtlicher Überlieferung beherbergte. Leider verloren sich von ihnen jegliche Spuren, so dass nur die leere bauliche Hülle mit Kreuzgewölbe, Originaltüren sowie Schachbrettfußboden aus weißem und grauem Marmor zurückblieb.
Im Zuge der Museumskonzeption fiel die Entscheidung auf die Darbietung von ostasiatischem Blau-Weiß-Porzellan, da es besonders prädestiniert erschien, den fernöstlichen Kulturkreis zu versinnbildlichen und damit an die Sammelleidenschaft früherer Schlossbesitzer zu erinnern. Ein blau-weißer Rehfußtisch – benannt nach seinen markanten Beinen – fungiert als Präsentationsfläche für Porzellangefäße. Seine fein profilierte Platte besteht aus Maxener Marmor, stellt also ein Beispiel einheimischer Schmucksteinverarbeitung dar.

















RAUM 2
Der Rote Salon

Der Rote Salon – nach dem Schlossbrand neu entstanden – beherbergte früher zahlreiche Gemälde, vor allem Ahnenporträts, aber auch Möbel und ostasiatische Porzellane. Sein Charakter war der eines Empfangssaales, denn hier wurde auf die weit zurück dokumentierbare Familien- und durchaus erfolgreiche Hausgeschichte verwiesen.

Die geschnitzten Supraporten, welche die drei großen Türen des Saales bekrönen, füllte die Münchner Malerin Marielle Cerrini 1907 mit Gartenszenen, wie wir sie z.B. von dem französischen Rokokokünstler Antoine Watteau kennen. Cerrini war der Familie eng verbunden und weilte wiederholt in Lichtenwalde. Im Rokokogeschmack ist auch die Raumdecke gestaltet, deren zarte Stuckornamentik florale Motive verarbeitet. Farbreste lassen ahnen, dass sie ursprünglich zart koloriert war. Auf dem Parkettfußboden, der laut einem gefundenen Papieretikett von der Metzdorfer Parkettfabrik ausgeführt wurde, lag ein riesiger Teppich. Sitzmöbel in barocker Formensprache und diverse Tischchen vervollständigten das Ambiente, wobei größtenteils mit Neuschöpfungen aus der Zeit nach dem Brand auszugehen ist.

Interessant ist eine kleine Treppe in der rechten Saalecke, die an einer verspiegelten Tür endet. Dahinter verbirgt sich ein geheimer Aufgang, der direkt in das gräfliche Schlafzimmer im 2. Obergeschoss führte. Möglich wird dies durch zwei im Abstand von etwa 70 cm gesetzte Wände, zwischen denen die Treppe nach oben läuft.

Nach Abzug der 1945 einquartierten russischen Besatzungstruppen war von der reichen Zimmerausstattung nichts übrig geblieben. Der 1945 abtransportierte Kronleuchter wurde 2008 durch eine Replik ersetzt, wobei die glücklicherweise erhaltenen Pendants im Chinesischen Zimmer als Vorbild dienten. Seit 2008 wird der Rote Salon seinem Namen wieder vollauf gerecht, denn in aufwändiger Rekonstruktionsarbeit entstand die verlorene Wandbespannung aus echter Seide neu. Etwa 30 Gemälde des 17. bis 20. Jahrhunderts aus der Schenkung des Chemnitzer Sammlers Georg Brühl geben dem Raum nun einen Teil seiner einstigen Aura zurück.

Ergänzt wird die neue Ausstattung durch historische Möbel, die das Chemnitzer Schloßbergmuseum zur Verfügung stellte.





RAUM 3
Das chinesische Zimmer

Künstlerisches Herzstück des Schlosses ist das Chinesische Zimmer, das trotz einschneidender Umbauten ein hervorragendes Beispiel der Chinamode des 18. Jahrhunderts darstellt. Bauherr Christoph Heinrich Graf von Watzdorf ließ den Raum mit einer Holzvertäfelung ausstatten, in deren Füllungsfelder Tuschemalereien und kolorierte Holzschnitte aus China eingesetzt wurden.

Schlossherr Otto Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt widmete das Chinesische Zimmer vornehmlich seiner Leidenschaft, dem Sammeln von Meißner Porzellan. Zahlreiche hölzerne Konsolen (heute 119 Stück) mit Blütengirlanden aus Draht und einer bemalten, stuckartigen Masse trugen die kostbaren Sammelstücke des Grafen. Beherzten Helfern ist es zu verdanken, dass diese Vasen, Teller und Figuren sowie die komplette Vertäfelung in der Brandnacht des Jahres 1905 vor der Zerstörung gerettet werden konnte.
Beim Wiederaufbau des Chinesischen Zimmers durch Frölich flossen dessen eigene gestalterische Interpretationen ein: Über den drei mit Spiegelglas ausgelegten Türen wurden Supraporten im Rokokostil angelegt, die wiederum von Marielle Cerrini mit chinesischen Genreszenen ausgemalt wurden. Frölich entwarf auch eine Stuckdecke, an der sich chinesische Motive mit Rokokoelementen mischen.

Nach der Besetzung durch russische Truppen 1945 war nichts vom ‘weißen Gold’ des Lichtenwalder Kleinods geblieben. In DDR-Zeiten diente das geplünderte Zimmer zeitweise als Speise- und Schulungsraum; nach 2001 als Kulisse für Hochzeitsfeierlichkeiten.
Mit der umfänglichen Restaurierung des Chinesischen Zimmers 2007 bis 2009 wurden die Voraussetzungen für eine museale Nutzung geschaffen. Die Neubestückung der Wandkonsolen mit chinesischen und japanischen Porzellanen, Lackobjekten und Cloisonnéarbeiten des 15. bis 20. Jahrhunderts lässt die alte Pracht heute wieder erahnen.






RAUM 4
Die gräfliche Bibliothek

Die Gustav Frölich konzipierte 1906 einen völlig neuen Saal mit gewölbter Stuckdecke, der den alten, doppelgeschossigen Bibliotheksraum ersetzte. Die wunderbare Aussicht in den weiträumigen Park und die Möglichkeit, durch eine Tür hinauszutreten, machten den Raum zum bevorzugten Aufenthaltsort der gräflichen Familie.

Zeitgenössische Beschreibungen der Bibliothek heben außer den Porzellanen die vielen Gemälde hervor, von denen sich nach 1945 alle Spuren verloren haben.
Mit der Rekonstruktion des Schlosses brach auch für die Bibliothek ein neues Kapitel an. Die gesamte Raumschale erhielt eine neue Farbgebung und wie in den anderen zwei Räumen erfolgte die Dekorierung der Fenster. Dem zukünftigen Zweck geschuldet – einen festlichen Rahmen für Hochzeiten und Veranstaltungen zu bilden – wurden dem mittigen Kaminspiegel zwei mit Stuck- und Schnitzornamenten verzierte Pfeilerspiegel aus der Zeit des Klassizismus zur Seite gegeben. Gemeinsam reflektieren sie das Licht der nach den Vorbildern im Chinesischen Zimmer rekonstruierten Deckenleuchter und verleihen dem Raum Großzügigkeit und Weite. In Erinnerung an die einstige reiche Ausstattung der Bibliothek finden heute mehrere Gemälde ihren Platz.

Das frühere kleine Studierzimmer des Grafen wird heute als Garderobe genutzt, in welche der Besucher durch eine ‘Geheimtür’ in der Wandvertäfelung eintreten darf. Einem einheitlichen Gestaltungskonzept folgend, wurden anläßlich der Rekonstruktion 2008 alle im Schloss neu eingebrachten Möbel in zeitgemäßen Formen entworfen oder ausgewählt. Das trifft nicht nur auf die Bestuhlung zu, sondern auch auf den neu geschaffenen Trautisch der Bibliothek mit polierter Platte aus grünem Stein, so genanntem „Bamboo verte“ (auf deutsch: „Grüner Bambus“).













RAUM 5
Das Königszimmer

Hochgestellten Fürstlichkeiten, unter ihnen die sächsischen Könige Albert (1828–1902) und Friedrich August III. (1865–1932), bot das alte und später das neue Königszimmer eine komfortable, standesgerechte Unterkunft. Am 18. März 1761 weilte Friedrich der Große im Schloss, an den heute mit einer Porzellanstatue aus der Volkstädter Manufaktur (Thüringen) erinnert wird. Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen mit dem Beinamen „der Gerechte“ besuchte 1772 und 1774 Lichtenwalde.
Überhaupt sahen die gastfreundlichen Mauern im Verlaufe der Jahrhunderte zahlreiche Besucher – vor allem Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Im Königszimmer wird deshalb an einige dieser Gäste erinnert, aber auch an den letzten Majoratsherren und Gastgeber Otto Friedrich III. Vitzthum von Eckstädt und dessen Frau Hedwig Sibylla.
Das Apartement besteht aus einem großen Hauptraum mit Kamin, einem früher als Schlafgemach fungierenden Nebenraum und dem kleinen Vorraum. Schlafgemach und Vorraum sind durch eine Tür verbunden. Auf diese Weise war es der Dienerschaft möglich, das Bett herzurichten, ohne den anwesenden Gast zu stören.

An Stelle des seit 1945 verschollenen venetianischen Leuchters wurde ein neuer Lüster nach den Vorbildern im Chinesischen Zimmer angefertigt. Der Verlust des Originals wiegt besonders schwer, denn es war der einzige von neun Leuchtern, der den Brand von 1905 überlebt hatte.
Die bewegliche Ausstattung des Königszimmers ist seit 1945 verschollen. Lediglich drei weiße Stühle aus der Zeit um 1790 blieben erhalten, die im Jahr 2007 als Schenkung in das Museum gelangten. Die heutigen Ausstattungsstücke, die aus der Sammlung Brühl und weiteren Quellen stammen, sollen helfen, den einstigen wohnlichen Charakter des Raumes wieder spürbar zu machen. In das 18. Jahrhundert gehören ein opulenter Schrank, eine dreischübige Kommode und ein reich marketierter Klapptisch.
Der runde Tisch in der Mitte des Hauptraumes und die dortigen Sitzmöbel entstanden erst im 19. Jahrhundert. Sie erinnern stark an holländische Vorbilder, die wiederum bei der Komposition ihres Intarsienschmuckes Anregungen aus Ostasien aufnahmen. Bekanntlich hatten die Holländer auf Grund ihrer Handelsbeziehungen zu China besonders engen Kontakt mit der Kultur des Fernen Ostens. Ursprünglich, so zeigt es ein historisches Foto, war der Raum mit zahlreichen Gemälden und Möbeln – darunter ein Tisch mit Boullemarketerie – ausgestattet, von denen sich nach 1945 leider alle Spuren verloren haben.

   

   
   
       
           
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